Die Höhle und mehr

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The Cave And Beyond. Wahrheit – Erkenntnis – Wissen

Platon, Kant, Hegel, Nietzsche und Wittgenstein blicken uns mit ernster, gelassener und erschrockener Miene entgegen, wenn sie zu den Themen Wahrheit, Erkenntnis, Wissen befragt werden. Sind Wahrheit und Wissen notwendige Forderungen des Menschen? Offensichtlich ja, andernfalls wären sie nicht über einen Zeitraum vom mehr als zweitausend fünfhundert Jahren Teil philosophischer Konzeptionen. Diese Zeitspanne wird durch das Symbol der Leiter bei Platons Höhlengleichnis und bei Wittgensteins Tractatus logico-philosophicus überbrückt. Während diese Leiter bei Platon nicht nur dem Weg aus der Höhle, sondern auch jenem in die Höhle dient, fordert Wittgenstein auf, die Leiter umzustoßen, eine Rückkehr wird mit diesem Akt verunmöglicht. Sind Platons Schatten das Wahre? Nein. „Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen. Es ist von dem Absoluten zu sagen, daß es wesentlich Resultat, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist;“ schreibt Hegel in seiner Phänomenologie des Geistes. Nach Hegel ist das Wahrnehmbare Erscheinung, der Verstand darf sich über das unmittelbar Wahrnehmbare hinwegsetzen und in die Idealisierung eintreten. Darin sind sich Hegel und Kant einig. Ist Platons Idee des Hundes der wahre Hund? Nein. Der wahre Hund ist das Dasein der Idee des Hundes als οὐσία αἰσθητή, als wahrnehmbare Substanz, wendet Aristoteles ein. Wissen wir nun, was Wahrheit ist? Wir sagen, das ist wahr und implizit sagen wir damit, so ist es. Wir finden in diesen Sätzen eine subjektive Erkenntnis und ein objektives Sein vor. Diese beiden Extreme sind für Hegel als Variablen zu fassen, sie sind keine Konstanten.

Die Menschen in der Höhle erkennen Schatten. Für Kant hebt alle unsere Erkenntnis von den Sinnen an, um über den Verstand zur Vernunft als höchste Einheit unseres Denkens zu gehen. Während Kant die Erkenntnis als Leistung des Subjektes fasst, ist diese für Hegel der „Seinsgrund“ sowohl der Subjektivität als auch ihrer Welt. Hegels Erkennen ist das wahrhaft sich selbst, weil auch den Gegensatz, in sich tragende Erkennen. Dieses Erkennen lässt den Gegenstand nicht unberührt, der Gegenstand wird zu einem Gegenstand für uns, er wird zu einer Erscheinung. Das Erkennen selbst ist das Absolute.

„Man wird oft von einem Wort behext. Z. B. vom Wort ‚wissen‘“. (Wittgenstein 1970, § 435) Platon lässt sich nicht „behexen“, er erläutert die Bedeutung von Wissen durch die Unterscheidung zwischen richtiger Vorstellung und Erkenntnis:

[…] Denn auch die richtigen Vorstellungen sind eine schöne Sache, solange sie bleiben, und bewirken alles Gute; lange Zeit aber pflegen sie nicht zu bleiben, sondern gehen davon aus der Seele des Menschen, so daß sie doch nicht viel wert sind, bis man sie bindet durch begründendes Denken. […] Nachdem sie aber gebunden werden, werden sie zuerst Erkenntnisse und dann auch bleibend. […] (Platon 2009, 97e−98a)

Auch die traditionelle Auffassung von propositionalem Wissen, dem Wissen-dass, scheint keine Unklarheiten offen zu lassen. Dieses Wissen ist gerechtfertigte wahre Überzeugung. Weshalb erscheinen an dieser Stelle die Sophiensäle im Podcast? Thomas Grundmann gibt die Antwort:

Die Standardanalyse des Wissens konnte sich bis 1963 (nahezu) unbehelligt behaupten. Bis dahin hatte diese Analyse geradezu den Status eines evidenten Prinzips. In diesem Jahr erschien ein kleiner, eineinhalbseitiger, fast unscheinbarer Artikel des zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannten amerikanischen Philosophen Edmund Gettier in der renommierten Zeitschrift Analysis. (Grundmann 2008, 99)

Wer interessiert ist, wie es Gettier möglich war, die Standardanalyse des Wissens ins Wanken zu bringen, sei auf diese Seite http://www.ditext.com/gettier/gettier.html. und die graphische Aufarbeitung des Gettier-Problems verwiesen.

Platon und Hegel bilden den Rahmen des vorliegenden Podcasts. Die Gemeinsamkeiten dieser beiden Philosophen können einerseits darin gesehen werden, dass Platon und Hegel die Begriffe nicht festlegen, diese werden im Rahmen einer Performanz gestaltet und entwickelt. Andrerseits entsprechen Platons Philosophie und Hegels absolutes Wissen einem performativen Akt. Platon lässt seine Gesprächspartner auftreten, Hegels absolutes Wissen wird nicht wie das Ding an sich postuliert, es ist nicht das Wissen von etwas, sondern das Wissen seiner selbst. Ist Platon ein Opfer seiner Mythen und erscheint es notwendig, sich von einer Bildhaften Darstellung zu distanzieren? Wenn ja, welche Bedeutung kommt in diesem Fall dem Podcast als Medium der Wissensvermittlung zu?

Wer nun zur Überzeugung gelangt ist, dass Worte mehr sagen, als tausend Bilder, findet diese unter „Literaturverzeichnis“.

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