Selbst-Versuch

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Wenn die Frage nach dem Selbst aufbricht, welchen Status hat dann die fragende Instanz? Ist es das Selbst selbst, welches nach sich-selbst fragt? Oder wird ‘das Selbst’ (als ein mit-sich-selbst-identisches) nicht dadurch überhaupt erst ermöglicht, als es von ‘sich’ (von ‘dem Selbst’) Abstand nimmt? Identität würde so (1.) in einer Differenz gründen (bzw. erst durch sie ermöglicht werden) und (2.) keine vorgängige Gegebenheit, sondern ein — im sich-mit-sich(-selbst)-identifizieren — nachträglicher Akt ‘sein’. Deswegen wäre schließlich (3.) eine voll-kommene Identifikation niemals möglich: jedes sich-mit-sich(-selbst)-identifizieren schöbe eine abschließende Identität vor sich her.

Doch – wenn dieser Gedankengang vorerst akzeptiert werden würde – setzte man mit dieser vorgängigen Differenz nicht schon Identität(en) voraus: nämlich die Identität jener Instanz(en) mit sich selbst die sich von einander unterschieden? Setzt, anders gesagt, Unterscheidung (Differenz) Identität voraus? Oder setzt Identität Unterscheidung (Differenz) voraus? – Oder ist hier gar ein Diskurs über ‚Voraussetzung‘ sinnlos?

Die Selbigkeit, die die Identiät ins Spiel bringt, ist eine Selbigkeit, die nicht aufs Selbe hinausläuft, weil sie „sie selbst“ nicht bereits gegeben ist und es niemals endgültig sein wird. Man könnte sagen, dass die Identität die ewige Wiederkehrt des Gleichen vollbringt, von der Nietzsche sprach: eine Wiederkehr, die nicht Wiederaufnahme und Wiederholung ist, sondern unendliche Wiederkehr zum absolut Unterschiedlichen, dessen absoluter Unterschied die Selbigkeit ausmacht.[1]

[1] Nancy, Jean-Luc: „Identität”, Passagen: Wien 2010, S. 42. (Vgl. auch Derrida, Jacques: „Die différance“ und Heidegger, Martin: „Identität und Differenz“.)

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